Fernstudium kostenlos 2026: Testphase, MOOCs & Förderung

 Autorin: Natascha Petrow | Gutachter: Sven Schmidt | Mitwirkender: Marcel Söder | Redakteurin: Petra Klein


Ein vollständig kostenloses Fernstudium mit Bachelor- oder Masterabschluss gibt es in Deutschland nicht. Auch die staatliche FernUniversität in Hagen erhebt einen Semesterbeitrag und Gebühren pro belegtem Modul. Laut FernUniversität kostet dort ein kompletter Bachelor im Durchschnitt etwa 2.100 bis 2.400 Euro, ein Master etwa 750 bis 1.500 Euro in der Regelstudienzeit.

Wirklich kostenlos sind drei Dinge: offene Online-Kurse ohne akademischen Abschluss, die Testphasen privater Fernhochschulen und Studienplätze, deren Kosten ein Stipendium, eine staatliche Förderung oder der Arbeitgeber übernimmt. Welche Option passt, hängt davon ab, ob ein anerkannter Abschluss das Ziel ist oder Wissen ohne Abschluss genügt.

Diverse Gruppe von Studenten beim Online-Lernen an individuellen Arbeitsplätzen mit Laptops, digitalen Lehrmaterialien und Lernzubehör in natürlich beleuchteten Heimumgebungen aus der Vogelperspektive fotografiert.

Gibt es ein kostenloses Fernstudium in Deutschland?

Nein, ein Fernstudium mit akademischem Grad ist in Deutschland immer kostenpflichtig. Die günstigste Option ist die FernUniversität in Hagen, nach eigenen Angaben die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland. Sie berechnet einen Semesterbeitrag sowie Beleggebühren für die gewählten Module, sodass die Semesterkosten vom Studienumfang abhängen: Ein Vollzeitstudium umfasst dort 30 ECTS-Punkte pro Semester, ein Teilzeitstudium 15 bis 20.

Private Fernhochschulen finanzieren sich über Studiengebühren. Für einen Bachelor nennt die FernUniversität bei privaten Anbietern Gesamtkosten von oft 12.000 bis 15.000 Euro. Bedürftige Studierende können an der FernUniversität auf Antrag einen Teil der Semesterkosten erlassen bekommen.

Welche Online-Kurse sind wirklich kostenlos?

Kostenlos sind offene Online-Kurse, sogenannte MOOCs (Massive Open Online Courses). Sie vermitteln Wissen auf Hochschulniveau, führen aber zu keinem Bachelor- oder Masterabschluss. Beispiele aus Deutschland:

  • openHPI: Kurse des Hasso-Plattner-Instituts zu Informatik, IT-Sicherheit, KI und Innovation, kostenlos und ohne formale Voraussetzungen
  • KI-Campus: eine kostenlose Lernplattform für Künstliche Intelligenz mit Onlinekursen, Videos und Podcasts

Für die Bewerbung oder den Lebenslauf zählen solche Kurse als Weiterbildung, nicht als Studium. Wer einen anerkannten Abschluss braucht, kommt an einem kostenpflichtigen Fernstudium nicht vorbei.

Fernstudium kostenlos testen: Wie funktionieren Probephasen?

Viele private Fernhochschulen bieten eine kostenlose Testphase an. Die Europäische Fernhochschule Hamburg (Euro-FH) und die Wilhelm Büchner Hochschule werben zum Beispiel damit, dass Interessierte das Studium 4 Wochen kostenlos testen können. Wann die Gebührenpflicht beginnt und was bei einem Abbruch in der Testphase gilt, regelt der jeweilige Studienvertrag. Diese Bedingungen sollten vor der Anmeldung gelesen werden.

Für Fernlehrgänge außerhalb von Hochschulen, etwa Zertifikatskurse privater Fernschulen, gilt zusätzlich das Fernunterrichtsschutzgesetz: Teilnehmende können einen Fernunterrichtsvertrag nach § 5 FernUSG „erstmals zum Ablauf des ersten Halbjahres nach Vertragsschluss mit einer Frist von sechs Wochen“ kündigen.

Ist ein kostenloser Master im Fernstudium möglich?

Auch ein Master im Fernstudium kostet Gebühren. An der FernUniversität in Hagen liegen die Gesamtkosten für einen Master laut Hochschule bei etwa 750 bis 1.500 Euro, an privaten Fernhochschulen deutlich höher. Kosten senken lassen sich vor allem über die Förderung des Arbeitgebers und über Stipendien.

Für die Zulassung gilt nach der Musterrechtsverordnung der Kultusministerkonferenz: „Zugangsvoraussetzung für einen Masterstudiengang ist ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss.“ Ausnahmen über eine Eingangsprüfung regelt das jeweilige Landesrecht. Weiterbildende Masterstudiengänge setzen in der Regel mindestens ein Jahr qualifizierte Berufserfahrung voraus.

Kann man ohne Abitur günstig im Fernstudium studieren?

Ja, die Kosten hängen nicht vom Zugangsweg ab. Ohne Abitur öffnet eine berufliche Qualifikation das Studium: Nach dem KMK-Beschluss zum Hochschulzugang beruflich Qualifizierter erhalten Meister, Inhaber gleichwertiger Fortbildungsabschlüsse und Absolventen von Fachschulen eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Wer eine mindestens zweijährige Berufsausbildung und mindestens drei Jahre Berufspraxis nachweist, kann fachgebunden studieren, meist nach einer Eignungsprüfung oder einem Probestudium.

Welche Förderung macht ein Fernstudium (fast) kostenlos?

Mehrere staatliche Programme übernehmen einen Teil der Kosten. Welches passt, hängt davon ab, ob ein Hochschulstudium oder eine berufliche Fortbildung angestrebt wird.

Aufstiegsstipendium für das erste Studium

Das Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert Berufserfahrene bei einem ersten Hochschulstudium, in Vollzeit oder berufsbegleitend. Für ein berufsbegleitendes Studium beträgt die Förderung 3.045 Euro im Jahr, unabhängig vom Einkommen. Die Bewerbung ist vor Beginn des Studiums möglich.

Weiterbildungsstipendium für junge Fachkräfte

Das Weiterbildungsstipendium richtet sich an Fachkräfte mit sehr guter Berufsausbildung, zum Beispiel mit mindestens 87 Punkten oder der Note 1,9 in der Abschlussprüfung. Es zahlt bis zu 9.135 Euro innerhalb von maximal drei Jahren, auch für ein berufsbegleitendes Studium, das auf der Ausbildung oder der aktuellen Tätigkeit aufbaut. Der Eigenanteil beträgt 10 Prozent je Maßnahme, die Aufnahme ist bis zum Alter von 24 Jahren möglich.

Aufstiegs-BAföG für Fortbildungsabschlüsse

Das Aufstiegs-BAföG fördert kein Hochschulstudium, sondern die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse wie Meister, Fachwirt, Techniker oder Betriebswirt. Fernlehrgänge sind als Teilzeitmaßnahme förderfähig, wenn sie die Voraussetzungen des Gesetzes und des Fernunterrichtsschutzgesetzes erfüllen. Die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren werden bis maximal 15.000 Euro gefördert, davon 50 Prozent als Zuschuss.

Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit

Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen können einen Bildungsgutschein erhalten. Er deckt die „Lehrgangsgebühren einschließlich der Kosten für erforderliche Lernmittel“, wenn Bildungsträger und Weiterbildung von einer fachkundigen Stelle zugelassen sind. Ob ein bestimmter Fernlehrgang oder Studiengang zugelassen ist, klärt die Agentur für Arbeit im Beratungsgespräch.

BAföG und Arbeitgeber

BAföG gibt es nach § 2 Abs. 5 BAföG nur für eine Ausbildung, die die Arbeitskraft im Allgemeinen voll in Anspruch nimmt. Ein berufsbegleitendes Teilzeit-Fernstudium ist deshalb in der Regel nicht BAföG-fähig. Häufiger übernehmen Arbeitgeber einen Teil der Studiengebühren, teils verbunden mit einer Rückzahlungsvereinbarung.

Wie senkt die Steuererklärung die Kosten?

Studiengebühren, Lernmaterial, Fahrten zu Prüfungen und ein Teil der Technik lassen sich steuerlich absetzen. Nach § 9 Abs. 6 EStG sind die Kosten Werbungskosten, wenn bereits eine Erstausbildung (Berufsausbildung oder Studium) abgeschlossen ist oder das Studium im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Für ein Erststudium ohne vorherige Ausbildung bleibt nur der Sonderausgabenabzug nach § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG mit bis zu 6.000 Euro im Kalenderjahr.

Welche Kosten fallen trotz „kostenlos“ an?

Auch bei geringen oder erlassenen Studiengebühren entstehen Nebenkosten:

  • Semester- oder Grundgebühren und Beiträge zur Studierendenschaft
  • Prüfungsgebühren, je nach Hochschule auch für Wiederholungsprüfungen
  • Reise- und Übernachtungskosten für Präsenzseminare und Prüfungen vor Ort
  • Fachliteratur, Software und ein geeigneter Computer mit stabiler Internetverbindung
  • Kosten für eine Verlängerung, falls die Regelstudienzeit überschritten wird

Wer keinen gebührenfreien Weg zum Abschluss findet, vergleicht am besten die Gesamtkosten der Anbieter und prüft ein günstiges Fernstudium mit niedrigen Monatsraten.

Häufige Fragen zum kostenlosen Fernstudium

Ist die FernUni Hagen kostenlos?

Nein. Die FernUniversität in Hagen erhebt einen Semesterbeitrag und Gebühren pro Modul. Laut Hochschule kostet ein Bachelor im Durchschnitt etwa 2.100 bis 2.400 Euro und liegt damit deutlich unter den Kosten privater Fernhochschulen.

Kann man online kostenlos studieren?

Kostenlos lernen kann man in offenen Online-Kursen wie openHPI oder KI-Campus. Einen Bachelor- oder Masterabschluss vergeben diese Plattformen nicht. Ein Online-Studium mit akademischem Grad ist in Deutschland immer mit Gebühren verbunden.

Wie lange kann man ein Fernstudium kostenlos testen?

Private Fernhochschulen wie die Euro-FH und die Wilhelm Büchner Hochschule bieten laut eigenen Angaben eine kostenlose Testphase von 4 Wochen. Was danach gilt, regelt der jeweilige Studienvertrag.

Natascha Petrow

Natascha Petrow

Autorin

Natascha Petrow, erfahrene Lehrerin und Expertin für digitale Bildung, leitet Fernstudium Informaterial. Mit umfassendem Wissen aus ihrer langjährigen pädagogischen Tätigkeit und inspiriert durch die Herausforderungen der Corona-Krise, widmet sie sich der Aufklärung über Fernstudien und Online-Lernen. Ihre fundierten Einblicke und praktischen Tipps bieten wertvolle Orientierung für alle, die effektive und qualitativ hochwertige Fernkurse suchen.