Geprüfter Industriefachwirt ist ein bundesweit anerkannter Fortbildungsabschluss, dessen Prüfung die Industrie- und Handelskammer (IHK) abnimmt. Den Fernlehrgang zur Vorbereitung absolvieren Sie berufsbegleitend in meist 12 bis 18 Monaten bei rund 9 bis 11 Stunden Lernzeit pro Woche. Zugelassen wird, wer eine kaufmännische Ausbildung hat, eine andere Ausbildung mit Berufspraxis oder mindestens drei Jahre Berufspraxis. Die Kosten können Sie mit dem Aufstiegs-BAföG fördern lassen.


Was macht ein Industriefachwirt?
Industriefachwirte übernehmen kaufmännische Fach- und Führungsaufgaben in Industrieunternehmen. Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen kaufmännischen Abteilungen und Produktion, etwa in Controlling, Einkauf, Vertrieb, Logistik, Personal oder Produktionsplanung, und führen Teams oder Projekte. Der Abschluss ist eine Aufstiegsfortbildung für Industriekaufleute und andere Fachkräfte mit Berufserfahrung.
Kann man Industriefachwirt im Fernstudium machen?
Ja. Mehrere Fernschulen und Akademien bereiten im Fernlehrgang auf die IHK-Prüfung vor, mit Studienheften, Online-Lernplattform und Online-Seminaren. Den Abschluss vergibt nicht der Lehrgangsanbieter, sondern die IHK nach bestandener Prüfung. Die Prüfung legen Sie bei Ihrer IHK vor Ort ab. Achten Sie auf einen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassenen Lehrgang.
Zulassungsvoraussetzungen
Die Zulassung regelt § 2 der Industriefachwirt-Prüfungsverordnung. Zum ersten Prüfungsteil, den Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen, wird zugelassen, wer eines davon nachweist:
- einen Abschluss in einem anerkannten dreijährigen kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf
- einen Abschluss in einem sonstigen mindestens dreijährigen Ausbildungsberuf und danach mindestens ein Jahr Berufspraxis
- einen Abschluss in einem anderen anerkannten Ausbildungsberuf und danach mindestens zwei Jahre Berufspraxis
- ohne Ausbildung „eine mindestens dreijährige Berufspraxis“
Für den zweiten Prüfungsteil brauchen Sie ein weiteres Jahr Berufspraxis. Die Praxis soll im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich liegen und Bezug zu den Aufgaben eines Industriefachwirts haben. Für den Start des Fernlehrgangs müssen Sie die Praxiszeit meist noch nicht vollständig erfüllen, wohl aber bei der Anmeldung zur Prüfung.
Prüfung und Inhalte
Die Prüfung besteht aus zwei Teilen. Die Wirtschaftsbezogenen Qualifikationen werden schriftlich geprüft:
- Volks- und Betriebswirtschaft
- Rechnungswesen
- Recht und Steuern
- Unternehmensführung
Die Handlungsspezifischen Qualifikationen prüft die IHK schriftlich und in einem situationsbezogenen Fachgespräch mit Präsentation:
- Finanzwirtschaft im Industrieunternehmen
- Produktionsprozesse
- Marketing und Vertrieb
- Wissens- und Transfermanagement
- Führung und Zusammenarbeit
Dauer und Kosten
Fernlehrgänge dauern je nach Anbieter und Lerntempo etwa 12 bis 18 Monate, manche Anbieter erlauben einen schnelleren oder langsameren Durchlauf. Die Lehrgangsgebühren liegen häufig zwischen rund 3.000 und 4.500 Euro, dazu kommen die Prüfungsgebühren Ihrer IHK. Die genauen Preise nennen die Anbieter im Infomaterial.
Als anerkannte Aufstiegsfortbildung ist der Industriefachwirt mit dem Aufstiegs-BAföG förderfähig. Laut Aufstiegs-BAföG werden Lehrgangs- und Prüfungsgebühren gefördert, „und zwar bis maximal 15.000 Euro. 50 Prozent der Förderung erhalten Sie als Zuschuss“.
Karriere und Weiterbildung
Industriefachwirte arbeiten als Sachgebietsleiter, Teamleiter oder Assistenz der Geschäftsführung in Industrieunternehmen, oft in Controlling, Vertrieb, Einkauf oder Produktionsplanung. Das Gehalt hängt von Branche, Region und Verantwortung ab und liegt in der Regel über dem von Industriekaufleuten. Mit dem Abschluss erhalten Sie nach dem KMK-Beschluss zum Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Als nächste Stufe bietet sich der Geprüfte Betriebswirt (IHK) oder ein berufsbegleitendes Bachelorstudium an.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer nimmt die Prüfung zum Industriefachwirt ab?
Die Industrie- und Handelskammer (IHK). Der Lehrgangsanbieter bereitet nur auf die Prüfung vor.
Kann man Industriefachwirt ohne Ausbildung machen?
Ja, mit mindestens drei Jahren Berufspraxis für den ersten Prüfungsteil und einem weiteren Jahr für den zweiten Teil.
Wie lange dauert der Industriefachwirt im Fernstudium?
Meist 12 bis 18 Monate bei rund 9 bis 11 Stunden Lernzeit pro Woche.
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