Frühförderung ist kein eigener Ausbildungsberuf und kein eigener Fernstudiengang, sondern eine Spezialisierung für pädagogische und therapeutische Fachkräfte. In Frühförderstellen arbeiten vor allem Heilpädagogen, Kindheits- und Sozialpädagogen, Erzieher sowie Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden. Den Weg dorthin gehen Sie mit einer passenden Grundqualifikation und einer Weiterbildung Frühförderung, die es berufsbegleitend und als Fernkurs gibt, zum Beispiel mit 180 Tagen Laufzeit für rund 1.500 Euro.


Wer noch keine pädagogische Grundqualifikation hat, beginnt in der Regel mit einer Ausbildung zum Erzieher oder Heilerziehungspfleger. Was bei einer Erzieher-Ausbildung im Fernstudium möglich ist, hängt vom Bundesland ab, denn die Fachschulausbildung verlangt Praxis in einer Einrichtung.
Was ist Frühförderung?
Frühförderung umfasst Früherkennung, Förderung und Behandlung von Kindern mit Behinderung oder drohender Behinderung von der Geburt bis zum Schuleintritt sowie die Beratung ihrer Eltern. Rechtsgrundlage ist § 46 SGB IX: Die Leistungen umfassen „nichtärztliche therapeutische, psychologische, heilpädagogische, sonderpädagogische, psychosoziale Leistungen und die Beratung der Erziehungsberechtigten“.
Erbracht wird Frühförderung vor allem von interdisziplinären Frühförderstellen und Sozialpädiatrischen Zentren. Laut § 3 Frühförderungsverordnung geschieht das „in interdisziplinärer Zusammenarbeit von qualifizierten medizinisch-therapeutischen und pädagogischen Fachkräften“, meist ambulant oder mobil in der Familie. Genau diese Zusammenarbeit erklärt, warum es keinen einheitlichen Beruf Frühförderer gibt: Die Stelle setzt eine anerkannte pädagogische oder therapeutische Ausbildung voraus, die Weiterbildung Frühförderung spezialisiert darauf.
Welche Wege in die Frühförderung gibt es?
Vier Wege führen in die Frühförderung, je nach Vorbildung:
| Weg | Abschluss | Dauer | Für wen |
|---|---|---|---|
| Weiterbildung Frühförderung (Fernkurs oder berufsbegleitend) | Zertifikat des Anbieters | wenige Monate bis 2 Jahre | Erzieher, Heilerziehungspfleger, Therapeuten und Pädagogen mit Berufspraxis |
| Staatlich anerkannter Heilpädagoge (Fachschule) | staatliche Prüfung, Bachelor Professional in Sozialwesen, DQR-Niveau 6 | 2 bis 3 Jahre, in Teilzeit länger | Erzieher und Heilerziehungspfleger mit mindestens einem Jahr Berufstätigkeit |
| Bachelor Heilpädagogik, Kindheitspädagogik oder Soziale Arbeit | Bachelor, 180 bis 210 ECTS | 6 bis 8 Semester, berufsbegleitend länger | Bewerber mit Hochschulzugangsberechtigung oder beruflicher Qualifikation |
| Therapeutische Ausbildung | Physiotherapeut, Ergotherapeut, Logopäde | 3 Jahre | Einstieg über den medizinisch-therapeutischen Teil der Frühförderung |
Für Erzieher ist die Weiterbildung Frühförderung der kürzeste Weg. Wer in einer Frühförderstelle eigenverantwortlich heilpädagogisch arbeiten will, braucht in vielen Bundesländern zusätzlich den Heilpädagogen oder einen einschlägigen Bachelor; die Anforderungen stehen in den Landesrahmenvereinbarungen und in den Stellenausschreibungen der Träger.
Weiterbildung Frühförderung als Fernkurs
Eine Weiterbildung Frühförderung im Fernkurs vermittelt Beobachtung, Entwicklungsdiagnostik und Förderplanung neben dem Beruf. Ein Beispiel ist der Fernkurs Frühförderung in Theorie und Praxis des IFLW: Er dauert laut Anbieter 180 Tage, kann jederzeit beginnen, kostet 1.498 Euro und endet mit einem Studiennachweis. Zusätzlich bietet das Institut eine freiwillige Fachkundeprüfung an. Daneben gibt es Fernkurse mit engerem Fokus, etwa zur frühkindlichen Sprachförderung.
Ein Anbieterzertifikat ist keine staatlich anerkannte Berufsbezeichnung. Ob eine Frühförderstelle Sie damit einstellt, entscheidet der Träger anhand Ihrer Grundqualifikation; die Weiterbildung ergänzt sie, ersetzt sie aber nicht. Berufsbegleitende Präsenzweiterbildungen bieten außerdem Wohlfahrtsverbände, Landesvereinigungen für Frühförderung und Hochschulen an, oft mit Wochenendmodulen über ein bis zwei Jahre.
Heilpädagogik und Studium: die anerkannten Abschlüsse
Der staatlich anerkannte Heilpädagoge ist der klassische Abschluss für die heilpädagogische Frühförderung. Die Weiterbildung findet an Fachschulen oder Fachakademien statt, in Vollzeit über 2 Jahre oder berufsbegleitend in Teilzeit über 3 bis 4 Jahre. Zugelassen wird laut Deutschem Qualifikationsrahmen, wer mindestens ein Jahr hauptberuflich als staatlich anerkannter Erzieher oder Heilerziehungspfleger gearbeitet hat. Der Abschluss trägt den Zusatz Bachelor Professional in Sozialwesen und ist über das Aufstiegs-BAföG förderfähig.
Wer einen Hochschulabschluss anstrebt, studiert Heilpädagogik, Kindheitspädagogik oder Soziale Arbeit. Mehrere Hochschulen bieten diese Fächer berufsbegleitend oder im Fernstudium an, teils mit Schwerpunkt Inklusion oder frühe Kindheit. Ein Bachelor mit Schwerpunkt Frühförderung ist selten; die Spezialisierung erfolgt meist über Wahlmodule, die Bachelorarbeit oder eine anschließende Weiterbildung.
Inhalte einer Frühförderung-Weiterbildung
Weiterbildungen in der Frühförderung behandeln fünf Themenfelder, die sich aus dem Leistungskatalog von § 46 SGB IX ergeben:
- Entwicklung in den ersten sechs Lebensjahren: Motorik, Sprache, Wahrnehmung, sozial-emotionale Entwicklung
- Beobachtung und Diagnostik: standardisierte Entwicklungstests und Förderdiagnostik
- Förderplanung: Ziele und Methoden im Förder- und Behandlungsplan
- Elternberatung: Gesprächsführung und Begleitung von Familien
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten, Therapeuten und Kitas
Umfang und Tiefe unterscheiden sich stark: Ein Fernkurs mit 180 Tagen vermittelt Grundlagen, eine Heilpädagogen-Weiterbildung mit über 1.800 Unterrichtsstunden qualifiziert für eigenständige Förderung und Diagnostik.
Kosten und Förderung
Fernkurse in Frühförderung kosten je nach Umfang von einigen hundert bis rund 1.500 Euro, berufsbegleitende Präsenzweiterbildungen mehrere tausend Euro. Die Heilpädagogen-Weiterbildung an staatlichen Fachschulen ist schulgeldfrei, an privaten Fachschulen fallen Gebühren an.
Für die Heilpädagogen-Weiterbildung übernimmt das Aufstiegs-BAföG Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis 15.000 Euro, davon 50 Prozent als Zuschuss. Kürzere Weiterbildungen fördert die Agentur für Arbeit per Bildungsgutschein, wenn Kurs und Anbieter nach AZAV zugelassen sind. Viele Träger von Kitas und Frühförderstellen beteiligen sich außerdem an den Kosten, wenn die Weiterbildung zur Stelle passt.
Arbeitsfelder in der Frühförderung
Fachkräfte für Frühförderung arbeiten in interdisziplinären Frühförderstellen, Sozialpädiatrischen Zentren, heilpädagogischen Praxen, Beratungsstellen und Kitas mit inklusivem Schwerpunkt. Ein großer Teil der Arbeit findet mobil in den Familien statt, deshalb verlangen viele Stellen einen Führerschein.
Die meisten Frühförderstellen werden von Wohlfahrtsverbänden oder Kommunen getragen und zahlen nach Tarifverträgen des Sozial- und Erziehungsdienstes oder angelehnten Haustarifen. Das Gehalt hängt dann von der Grundqualifikation ab: Heilpädagogen und Bachelor-Absolventen werden höher eingruppiert als Erzieher mit Weiterbildungszertifikat.
Für wen sich welcher Weg eignet
Ein Fernkurs Frühförderung passt zu Ihnen, wenn Sie bereits als Erzieher, Heilerziehungspfleger oder Therapeut arbeiten und sich neben dem Beruf auf Kinder von null bis sechs Jahren spezialisieren wollen. Die Heilpädagogen-Weiterbildung passt, wenn Sie in der Frühförderstelle eigenverantwortlich fördern und höher eingruppiert werden wollen.
Ein Fernkurs passt nicht, wenn Sie noch keine pädagogische oder therapeutische Ausbildung haben und mit dem Zertifikat allein eine Stelle in der Frühförderung anstreben. Dann führt der Weg zuerst über eine anerkannte Ausbildung oder ein Studium.
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